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Herbert Bauer Fürth, Bayern

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Herbert Bauer, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und op
Fürth

Ich pflege, weil ...

es der Beruf ist, den ich schon immer ausüben wollte. Die Intensivmedizin, Umgang mit Notfallsituationen wie z. B. Wiederbelebung oder maschinelle Beatmung haben mich schon immer gereizt. Anfangs war es der Aspekt des Dienens, der mich fasziniert hat, doch dann waren es die unzähligen Möglichkeiten, kranken Menschen zu helfen und Menschen zu pflegen.

Herbert Bauer über Pflege

Herr Bauer, wie kamen Sie zu Ihrem Beruf in der Intensivmedizin?

Vor der Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte ich während des Musik-Studiums ein Praktikum auf der Intensivstation am Klinikum in Nürnberg. Die Arbeit faszinierte mich so, dass ich mein Studium abgebrochen habe. Zunächst arbeitete ich zweimal pro Woche als freiwilliger Helfer auf der Intensivstation, um anschließend eine Pflegeausbildung zu beginnen. Dies wurde allerdings von der Schule abgelehnt, da es nicht glaubhaft erschien, für die Ausbildung ein Studium aufzugeben. So landete ich zunächst als Tellerwäscher im Klinikum. Ein Jahr später durfte ich dann doch die Ausbildung beginnen und qualifizierte mich in einer zweijährigen Weiterbildung zur Fachkraft für Anästhesie und operative Intensivmedizin. Ich habe 25 Jahre mit Leib und Seele in diesem Beruf gearbeitet. Die Arbeit war Beruf und Hobby zugleich. Vor drei Jahren bin ich dann in die Hygiene gewechselt. Dieser Bereich war neben der Intensivmedizin mein zweites Steckenpferd.

Was ist für Sie das Besondere an Ihrem Beruf?

In der Intensivmedizin hat mich zunächst fasziniert, dass es bei den Patienten keinen Unterschied gibt. Vom Banker bis zur Putzfrau werden alle gleichwertig versorgt. Und hier zu assistieren, an der Schwelle zwischen Leben und Tod und mit dem Wissen, dass ich alles für den Patienten tue, was möglich ist – vor allem bei Wiederbelebungsmaßnahmen – ist meine Berufung. Andere scheuen sich vor dieser Aufgabe, ich habe das immer gerne und mit Zuversicht gemacht. Routiniert, entspannt, mit gelernten Griffen. Gerade in den Notfallsituationen, wenn die meisten Leute besonders aufgeregt sind, habe ich gut arbeiten können, das ist einfach mein Ding. 

Wie gehen Sie mit dem Thema Tod um, das Sie in der Intensivmedizin oft begleitet hat?

Meine innere Einstellung dazu ist, dass ich Patienten, die mir anvertraut werden, so gut es geht begleite. Ob ihr Weg in die Heilung führt oder in den Tod, das entscheide nicht ich. Über die Qualität meiner Begleitung entscheide ich sehr wohl. Die Einstellung von Ärzten ist oft anders. Sie sind der Meinung, der Patient müsse geheilt werden, er müsse überleben. Da ich hier anders denke, kann ich gut mit dem Tod umgehen. Wenn ich nach der Schicht nach Hause gehe, will ich mir sagen können, dass ich zu jeder Zeit mein Bestes für die Patienten gegeben habe. Der Tod gehört nun mal zum Leben. Das ist dramatisch und schmerzlich, aber unvermeidlich. Mein christlicher Glaube, meine Beziehung zu Gott, hilft mir dabei, den Tod zu akzeptieren. Er gibt mir Halt und Kraft. 

Welche Voraussetzungen müssen Menschen für einen Beruf in der Pflege erfüllen?

Sie brauchen eine positive Lebenseinstellung. Das ist sicher ein ganz wichtiger Aspekt. Menschen, die mit ihrem eigenen Leben nicht zurechtkommen, tun sich in der Pflege schwer. Ich bin auch der Meinung, Menschen mit Helfersyndrom haben in der Pflege nichts zu suchen. Ich habe immer wieder Kollegen gesehen, die an diesem Beruf zerbrochen sind. Man sollte wirklich schauen, was seine Berufung ist. Manche sind brillant, haben enormes Fachwissen und streuen dieses Wissen über jeden Patienten bedingungslos aus, das ist meiner Meinung nach falsch. Jeder Patient ist anders und muss mitentscheiden können, wie er medizinisch behandelt wird.

Was ist Ihr Ausgleich zum Beruf?

Hier knüpfe ich an mein früheres Studium an. Ich spiele Bassposaune und Euphonium, das war schon immer was für mein Herz. Durch die Musik komme ich innerlich zur Ruhe. Berufsmusiker wollte ich nicht werden, da ich dann natürlich auch Musikstücke spielen müsste, die mir nicht gefallen. In meinem Beruf als Pfleger habe ich dagegen nie erlebt, dass ich gegen meinen Willen handeln musste. Die Musik als Hobby und Ausgleich tut mir einfach gut, wenn ich spielen kann, was ich will.   

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Da bin ich positiv gestimmt. Die Zusatzausbildung für den Hygienebereich im Klinikum hat mich bereichert, hier habe ich ein Team ganz neu mit aufbauen können und bin beratend tätig. Das macht auch viel Spaß.