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Eva-Maria Greve Augsburg, Bayern

Profilbild von Eva-Maria Greve

Eva-Maria Greve, Lehrerin für Pflegeberufe
Augsburg

Ich pflege, weil ...

ich die Menschen liebe und jeder von uns auch zu einem Pflegebedürftigen werden kann. Das vergessen wir alle viel zu oft!

Eva-Maria Greve über Pflege

Ich bilde Fachkräfte in der Altenpflege aus, habe 46 Jahre Erfahrung in der Kranken- und Altenpflege und gebe meine Freude und auch meine kritischen Gedanken zur Entwicklung der Pflege weiter. Denn nur gemeinsam können wir die Situation positiv verändern.

Interview “Aus Liebe zum Menschen”

Frau Greve, warum sind Sie in der Pflege tätig?

Das hat sicherlich familiäre Gründe. Als älteste von sechs Geschwistern habe ich in jungen Jahren meine schwer erkrankten Eltern begleitet und mich um meine Brüder und Schwestern gekümmert. Ursprünglich wollte ich Sozialpädagogin werden, aber ich entschied mich dann doch für eine einjährige Pflegeausbildung im Krankenhaus. Ich habe damals auf mein Herz gehört und wurde nicht enttäuscht. Der Beruf gefiel mir auf Anhieb sehr gut.

Wie sind Sie zur Altenpflege gekommen?

Ich war viele Jahre in der Krankenpflege und der ambulanten Pflege tätig. Gerade im letzteren Bereich lernte ich viel über die Bedürfnisse von älteren Menschen. Der Kontakt erfordert schon einen einfühlsameren Umgang. Dieses Wissen möchte ich nun auch an angehende Altenpflegerinnen und Altenpfleger weitergeben.

Was geben Sie jungen Menschen mit dem Berufswunsch Altenpfleger mit auf den Weg?

Die Auszubildenden sollten sich darüber bewusst sein, dass sie einen sehr verantwortungsvollen Beruf gewählt haben. Altenpfleger müssen sich mit dem Berufsbild identifizieren können und sich besonders der ethischen Verantwortung bei der Pflege von Älteren im Klaren sein. Auch berufspolitische Themen diskutiere ich im Unterricht. In meinem Hauptfach Qualitätsmanagement spreche ich mit den Auszubildenden oft über Unterschiede zwischen Theorie und Praxis, die im beruflichen Alltag doch sehr groß sind. Personalmangel und die daraus entstehende Mehrbelastung für das Pflegepersonal sind häufig an der Tagesordnung. Dennoch versuche ich meine Schülerinnen und Schülern vor allzu negativem Denken zu bewahren.

Wie gelingt Ihnen das?

Indem ich jeden einzelnen Auszubildenden respektiere und vor allem wertschätze, dass sich diese jungen Menschen für die Altenpflege entschieden haben. Außerdem höre ich ihnen zu, wenn sie Beschwerden aus den Praxisphasen an uns herantragen. Wir nehmen diese Kritik sehr ernst und versuchen, diesen Zustand zu ändern. Demotivation soll so gar nicht erst aufkommen.

Aus welchen Momenten ziehen Sie ihre Kraft für diesen Beruf?

Oft erzählen mir die Älteren Geschichten aus ihrem Leben und was sie alles erlebt haben. Diese persönlichen Gespräche lenken die Pflegebedürftigen von ihrer Krankheit ab. Sie blühen regelrecht auf, lachen, haben Ideen und bringen sich im Pflegealltag ganz anders ein. Diese Momente geben mir Kraft und bestärken mich darin, jeden Tag engagiert und mit viel Liebe für den Menschen zur Arbeit zu gehen.

Frau Greve, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.